Entspannung ohne Pumpe

Hallo ihr Lieben,

 

über die Osterferien wollten mein Freund und ich uns etwas Gutes tun. Wir hatten schon länger geplant ins Tropical Island nach Brandenburg zu fahren und Ende März war die perfekte Zeit dafür. Die Sehnsucht nach Sommer und Wärme nach den endlos langen dunklen Monaten, dem Schnee, dem Regen und dem Stress des Jahresbeginns war so groß wie die Vorfreude auf zwei Tage garantiert warmes Wetter (unter der Dachkuppel), Cocktails am (angelegten) Strand und planschen in (künstlichen) Lagunen. Dazu Wasserrutschen (mein inneres Kind ist direkt vor Freude im Kreis gesprungen) und eine Übernachtung in einem Zelt in einer idylischen Landschaft. Wir hatten richtig Bock!

Beim Packen für die Tage kamen dann die ersten Überlegungen. Wie mach ich das denn am Besten mit Pumpe, Dexcom, Sensor und Hypohelfern? Das Gelände ist schon seeeehr weitläufig. Alle ein bis zwei Stunden zum Zelt bzw. zum Spind rennen um Zucker zu messen wie ich das sonst beim Schwimmen tue, stellte ich mir schon stressig vor. Pumpe und Dexcom auf eine Liege legen und hoffen, dass keiner die Geräte für Handy oder Ähnliches hält und mitnimmt? Hmpf! Ich bin doch etwas nervös gewesen aber wollte mir die Vorfreude nicht nehmen lassen und hab beschlossen, dass es, wie jedesmal, schon eine Lösung geben wird.

Früh morgens am Tag der Abreise startete ich erst einmal mit einem Wert von 300 mg/dl da mein Katheter von der Pumpe über Nacht rausgerissen ist. Na spitze! Durch genug Korrektur ging der Zucker dann auf der Fahrt nach Brandenburg auch wieder in den normal Bereich aber ich war wirklich besorgt, wie das wohl die nächsten zwei Tage mit dem Zucker klappen wird. Meinen Dexcom habe ich zu Hause gelassen, da ich meinen Sensor nicht dem Härtetest unterziehen wollte und das Gerät sowieso nicht mit mir rumschleppen wollte. Also bin ich für die zwei Tage auf mein normales Messgerät umgestiegen. Für das Gerät sowie Pumpe, Capri Sonne, Traubenzucker und Teststreifen und Stechhilfe hatte ich eine wasserfeste Tasche mitgenommen. Diese habe ich dann am ersten Tag zwischen Zelt und Spind hin und her geschleppt (je nachdem wo wir grade waren). Das war schon etwas nervig. Alle zwei Stunden etwa habe ich dann ein wenig Insulin abgegeben und in den Schwimm- und Planschpausen, die wir gemacht haben, habe ich meine Pumpe dann an meinem Bikini getragen. Die Menge an Insulin war völlig nach Gefühl bemessen. Durch die viele Bewegung und die ungewohnten Insulin-Pausen hatte ich keine Orientierungshilfe. Ich wollte es lieber drauf ankommen lassen, eher zu hoch zu gehen als zu unterzuckern. Aber es hat beide Tage wunderbar funktioniert. Ich bin zwar zeitweise etwas über 240 mg/dl gerutscht aber hatte das recht schnell wieder im Griff und auch das, ohne danach in die Hypo zu rauschen. Den Abend haben wir dann ganz entspannt mit Cocktails und schwimmen im beleuchteten Pool verbracht.

Die Nacht im Zelt war dann doch echt gewöhnungsbedürftig. Es war laut und warm. Dementsprechend müde war ich am nächsten Tag und wir haben uns recht früh eine Liege gesichert auf der ich dann für den zweiten Tag mein Diabetestäschchen untergebracht habe. Da wir durch die kurze Nacht auch nicht mehr so viel Energie hatten lagen wir deutlich mehr auf der Liege wie am Tag davor und ich konnte meine Pumpe länger tragen. Trotz leckerem Frühstücksbuffet, Eis und anderen Leckereien hielt sich mein Zucker auch am zweiten Tag ganz artig im Normalenbereich und wir konnten auch den zweiten mit Wasserrutschen, Blubberbecken und Lagunen genießen und am Sandstrand im Liegestuhl entspannen.

Für mich war es eine tolle Erfahrung die mir gezeigt hat, dass man eben trotz Diabetes alles irgendwie hin bekommt und sich nicht im Vorfeld stressen muss. Leider bin ich Meister des Aber-was-wäre-wenn… und ich traue mich daher an manche Erfahrungen gar nicht erst ran weil mich die Planung und Überlegungen im Vorfeld schon so sehr stressen. Längeren Reisen stressen mich daher mehr, als das ich mich wirklich drauf freuen kann. Aber vielleicht entwickel ich da ja auch noch mehr Routine und verliere den Stress im Vorfeld.

Achja, womit ich übrigens auch diesmal gar kein Problem hatte war, mit meiner Pumpe herum zu laufen. Ich hab zwar ab und zu neugierige Blicke gemerkt, aber das interessiert mich tatsächlich gar nicht. Beim Cocktail trinken habe ich auch noch eine andere Frau mit Pumpe gesehen, die ihre auch ganz entspannt außen an der Hose getragen hat – wäre ich schnell gewesen hätte ich sie vielleicht noch angesprochen. Ich finde es ja immer schön, andere Diabetiker kennen zu lernen.

 

Alles Liebe

 

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Mein Diabetes gehört mir!?

Hallo ihr Lieben.

Sehr lange war es sehr ruhig hier. Viele Bereiche in meinem Leben haben viel Energie von mir gebraucht und so musste ich meine Online-Zeit reduzieren. Ich möchte diesen Blog unbedingt weiterführen – aber nicht unter Druck. Er ist mein Hobby und meine Freizeit, hier soll nur etwas stehen, wenn ich auch finde, dass ich etwas zu sagen habe – nicht um des Schreibens willen. Aber eine Begegnung ging mir nicht aus dem Kopf und davon möchte ich euch heute unbedingt erzählen.

Manchmal ist es ganz seltsam, was unerwartete, kurze Begegnungen mit einem machen. Ein Gespräch, eine Bemerkung kann lange nachwirken, ohne das dies geplant war. Ich bin schon immer sehr offen mit meinem Diabetes umgegangen und habe noch nie wirklich blöde Erfahrungen damit gemacht. Das schlimmste waren bisher ein paar doofe Fragen oder dämliche Annahmen, aber das ging mir nie nah und hat mich nie berührt. Auf der Silvesterparty war es diesmal anders. Und weil es so sehr hängen geblieben ist und mich tatsächlich so verunsichert hat, fand ich es absolut wichtig, hier davon zu berichten.

Auf der Feier waren einige Leute die ich kannte und einige mit unbekannte, aber absolut sympathisch wirkende. Über den Abend hinweg habe ich, wie immer, mehrfach meinen BZ gecheckt. Durch das viele Essen, die Chips zwischendurch und das ein oder andere Gläschen Sekt war er leider mal wieder nicht im optimalen Bereich. Besonders bei solchen Gelegenheiten finde ich es sehr schwer hinzubekommen und stempel sowas eigentlich als Ausnahme ab. Da es nicht so häufig vorkommt war das für mich immer so in Ordnung. Irgendwann im neuen Jahr bin ich dann mit einem der Gäste, die ich vorher nicht kannte, ins Gespräch gekommen. Er hat eine medizinische Ausbildung gemacht (was genau weiß ich leider nicht mehr) und hat mich dann, nachdem er davon ein bisschen erzählt hat, auch nach meinem Diabetes gefragt. Er hat dann auch ganz konkret nach meinem eben gemessenen Wert gefragt. Und ab dem Punkt war es für mich plötzlich schwierig, ohne das ich erklären konnte wieso. Irgendwie ist für mich die Frage nach meinem Blutzucker ein bisschen wie die Frage nach meinem Gewicht. Etwas, worauf ich meistens nicht so richtig stolz bin, wofür ich mich immer selber verantwortlich fühle. Eine Zahl, die mich und meine Leistung bewertet wie eine Note, zumindest dann, wenn jemand nur einen einzigen Blutzuckerwert von mir kennt und sich dann damit irgendwie ein Urteil bilden will. Die meisten dieser Gedanken sind natürlich nur in meinem Kopf und mein Gegenüber bewertet die Situation sicher völlig anders. Nichts desto trotz reicht diese Frage manchmal aus, dass ich mich sofort rechtfertigen will. Zumal so etwas ja auch NUR gefragt wird wenn man grade nicht im Zielbereich ist, sonst wäre das ja völlig ok. Bitte nicht verwechseln: wenn mir z.B. mein Partner oder Freunde beim Messen über die Schulter schauen freue ich mich über das Interesse. Ganz anders als wenn jemand zuschauen würde, wenn ich mich wiege – nicht auszudenken!!!

Auf der Party habe ich dann den Wert genannt (irgendwas zwischen 200 mg/dl und 250 mg/dl meine ich). Darauf war mein Gegenüber ziemlich fassungslos und hat begonnen mir zu erklären, dass jede Entgleisung fatale Auswirkungen auf den Körper hat und peinlich genau darauf geachtet werden muss, jeden Wert über 200 mg/dl zu vermeiden. Ich kann gar nicht genau erklären warum, aber an diesem Abend und in dieser Situation ging diese Aussage durch jede Schutzwand von mir durch und ich habe mich sofort richtig schlecht gefühlt. Die bekannten Gedanken kamen sofort hoch: „ich hab meinen Diabetes nicht im Griff“, „Andere schaffen das viel besser“, „ich bin zu faul“, „ich versage“. Diese wunderschöne Schleife mit negativen Gedanken wurde sofort angeschmissen. Mir war zu jeder Zeit bewusst, dass es von der Person nicht abwertend gemeint war. Und mit einem klaren Kopf konnte ich mir auch wieder bewusst machen, dass natürlich die medizinische Sicht eine andere ist als die, eines Betroffenen. Zielsetzung und Realität sind unterschiedlich und als jemand, der nicht damit leben muss sind Urteile leicht zu fällen. Viel mehr geärgert hat mich tatsächlich meine Empfindlichkeit in der Situation. Eigentlich dachte ich, ich stehe darüber. Und immer noch zweifel ich ein bisschen. Tue ich wirklich genug? Nehme ich das alles zu locker? Was ist der richtige Weg? Immerhin habe ich jetzt das ganze Jahr um hierfür eine Antwort zu finden…und da ich seit Samstag nun auch stolze Besitzerin eines Dexcoms bin (was tatsächlich nichts mit dieser Geschichte zu tun hat) hoffe ich, auf deutliche Fortschritte.

Habt ihr mal etwas ähnliches erlebt? Ein Gespräch oder eine Bemerkung, die noch lange gewirkt hat? Ich würde mich freuen, wenn ihr davon erzählt. In den Kommentaren oder unter absolutnichtzuckerfrei@web.de

 

Machts Gut und bis Bald.

Danke, es reicht jetzt!

Hallo ihr Lieben,

ich habe zur Zeit Urlaub. Mein Freund ist die Woche über da und bis auf das graue Wetter (das mich an mein geliebtes Hamburg erinnert), ist das alles eigentlich ziemlich schön. Eigentlich könnte ich jetzt, Nachts um 4 Uhr, ganz entspannt im Bett liegen und mich auf die nächsten Tage freuen. Alles könnte so schön sein- aber nein, mein *Schimpfwort Ihrer Wahl einfügen Diabetes versaut mir einfach grad alles.

An 363 Tagen im Jahr komme ich ja wirklich ganz gut zurecht. Ich habe das mit dem positiv Denken im Lebensbereich „Diabetes“ echt ganz gut drauf. Auch schlechte Phasen nehme ich doch meist relativ gut hin – ich kotz mich dann bei ein, zwei Leuten aus und dann geht’s weiter. Aber grade hänge ich in einem Tief fest, das jeden positiven Gedanken im Keim erstickt. An 1-2 Tagen im Jahr kommen diese ganz fiesen Diabetes-ich-hasse-dich-so-sehr-Gedanken.

Seit Anfang des Jahres versuche ich, was ich seit Jahren jedes Jahr versuche: ein paar Kilos los zu werden. Was dieses Jahr von den anderen Jahren unterscheidet ist, dass ich diesmal tatsächlich mit so viel Ehrgeiz und Motivation rangehe, dass ich sicher bin, auf einem guten Weg zu sein mein Ziel zu erreichen. Die letzten halbgaren Versuche habe ich sehr schnell aufgegeben. Zur Zeit klappt sowohl Ernährung als auch regelmäßiger Sport ohne Druck, ohne Stress, ganz einfach so. Dann müssten doch auch langsam die blöden Kilos purzeln, oder? Neeeeiiiiiin – weit gefehlt! Denn natürlich steht etwas im Weg, es wäre ja zu einfach. Während die ersten 4 Wochen jeder sportliche Ansatz von meinem Zucker instant bestraft wurde und mein BZ einfach direkt in den Keller gerutscht ist (ich weiß nicht wie viele Zusatz KEs ich trotz Basalrate senken gefuttert habe), passiert jetzt das Gegenteil. Jeder Versuch, die Basalrate zu senken um den früheren Hypos zu entgehen scheitert und ich habe das Gefühl, Wasser statt Insulin zu nehmen. Permanente Werte jenseits von gut und böse. Gefühlt brauche ich jeden Tag eine andere Basalrate und täglich mehr.

Heute eine Stunde Crosstrainer und mit 190 mg/dl gestartet. Bei dem Wert und meinen Erfahrungen in den letzten Tagen lief ich die Pumpe auf 100% laufen. Nach dem Sport gemessen: 250 mg/dl. Na gut, ne kleine Korrektur, vielleicht wirkt der Sport ja später doch noch. Vorm Schlafen dann 350 md/dl. Ja, danke auch! Regulär korrigiert. Und dann um 4 Uhr nachts wach geworden mit mega Durst, Übelkeit und nem Wert von 340 mg/dl. Ach man, Zucker, es ist genug!

Und anstatt angekuschelt im warmen Bett zu liegen sitz ich jetzt mit Wasserflasche, Messgerät und Laptop auf dem Sofa, heule meinen ganzen Frust raus und bemitleide mich aus tiefstem Herzen. Weil es einfach so verdammt scheiße ist, sich ständig mit sowas rumzuärgern. Weil es unfair ist. Weil ich jetzt bitte jemanden hier haben möchte, der mir den Scheiß abnimmt und sagt „oh, Entschuldigung, das mit dem Diabetes war ein Missverständnis, der sollte gar nicht zu Dir sondern zu dem fiesen Chef den du damals hattest, oder dem gemeinen Typen in der Schule oder zu irgendwem sonst, der es verdient hätte“.

Und weil so jemand ziemlich sicher nicht gleich vorbei kommt und weil ich weiß, dass ich durch den Scheiß durch muss und auch durchkommen werde schreibe ich das hier grade. Weil ihr mit Sicherheit auch solche Tage habt. Weil bei euch bestimmt auch mal nach aufgeben ist und wir einfach nicht aufgeben können. Bei vielen Dingen, aber eben nicht beim Diabetes.

 

Krank oder nicht krank – das ist hier die Frage

Diabetes gilt als eine chronische Erkrankung. Unter einer chronischen Erkrankung versteht man eine länger andauernde, schwer heilbare Krankheit. In unserem Fall sogar eine, nach aktuellem Forschungsstand, nicht heilbare Krankheit. Die Tragweite daraus wird einem Betroffenen bei der Diagnose meist gar nicht klar. Zu unwirklich, zu weit weg, zu wenig Wissen – aber „für immer Diabetiker“ – diese Nachricht schlägt ein.

Auf der anderen Seite dieser Widerwille sich als Diabetiker krank zu nennen. Selbst „an Diabetes erkrankt“ fühlt sich schon falsch an. Zu groß, zu eingeschränkt, zu sehr auf Mitleid aus. Ich krieg doch alles hin, was ich will. Ich kann arbeiten, feiern gehen, Sport machen. Wie jeder andere aus. Aber, das stimmt schon, nie ohne den Diabetes dabei aus dem Blick zu verlieren. Ein wichtiges Meeting um 15 Uhr? Vorher nochmal schnell BZ messen, nicht das ich in eine Hypo komme. Feiern gehen – gerne, aber Alkohol und Tanzen? Etwas Aufpassen muss ich da schon. Zum Sport gehe ich nie ohne Extra KE, kann ja doch schnell was sein.

Ich habe darüber nachgedacht, was dieses Wort – „chronische Krankheit“ – eigentlich mit mir macht. Mit mir jetzt macht nach über 18 Jahren mit Diabetes, als Diabetikerin, als chronisch Erkrankte. Fühle ich mich chronisch krank? Nein!!!…Ja!…Manchmal? Was auf jeden Fall fies am Diabetes ist: er ist nicht nur immer da, man muss sich auch aktiv ständig damit auseinander setzen. Er ist ein ewiger Begleiter. Aber er wandelt sich. Er ist mal ein stummes Ebenbild von mir selbst. Läuft in meinem Schritttempo schweigend neben mir in die gleiche Richtung und fällt nicht sonderlich auf. Mal ist er ein bockiges Kleinkind, dass man sich über die Schulter werfen kann damit nicht alle Leute so komisch gucken. Das ist zwar anstrengend, aber man kommt vorwärts, trotzdem. Und manchmal….ja manchmal ist er wie ein wildes Tier an der Leine. Man versucht verzweifelt ihn festzuhalten, verhindert mit allen Mitteln gebissen zu werden und kommt nicht von der Stelle, weil da ja grade dieses Vieh ist, was es zu bezwingen gilt. Und je nachdem wie mein Begleiter drauf ist bin ich gerade krank oder eben gerade gesund. Die Wahrheit ist mein eigenes Empfinden und das dieses schwankt ist völlig normal. Wir sind alle mit einer Krankheit gestraft – und ja, manchmal muss man das einsehen. Verstehen, das diese Zusatzbelastung, dieser ständige Begleiter eben Kraft fordert und man an anderen Punkten Abstriche machen muss. Und das ist völlig in Ordnung. Das ist unser Recht. Dann darf man sich auch mal krank fühlen und sich so behandeln, wie man jemanden kranken eben behandelt – mit Mitgefühl, mit Stressvermeidung, mit gutem Zureden. Denn das braucht man nun mal manchmal. Keine Vorwürfe, kein zur Seite schieben, kein Verdrängen.

Und dann gibt es die Phasen, in denen mein Begleiter unsichtbar ist. Versunken in seine eigenen Gedanken. In denen ich plötzlich völlig vergesse, das er neben mir steht. Zumindest kurz. Und das ist schön. Dann bin ich gesund. So stark, so belastbar, so fit wie die anderen auch. Nein Besser! Weil ich es TROTZ Diabetes schaffe. Und darauf müssen wir uns konzentrieren. Darauf, das wir eben vieles trotz dieser Doppelbelastung super hinbekommen. Das unser Begleiter zwar neben uns herläuft, aber wir es in der Hand haben, wohin der Weg geht.

Ich bin nicht immer völlig gesund. Ich bin bei weitem nicht immer krank. Aber manchmal. In doofen Momenten wenn alles zu viel wird. Und das ist ok. Weil die meisten Momente nicht vom Diabetes sondern von mir bestimmt werden.

Zwischenstand

Hallo ihr Lieben,

wow, wie die Zeit mal wieder rennt. Mein letzter Beitrag ist schon etwas her und das erste Quartal des Jahres schon längst abgeschlossen. Zeit für einen aktuellen Stand, wie ich finde. Wie laufen denn meine Vorsätze die ich da mal naiv und leichtsinnig veröffentlicht habe *g*

Wie immer, wenn man Vorsätze fasst, kommt das Leben dazwischen. Bei mir hat sich einiges getan und ich werde in ein paar Tagen meinen neuen Job starten. Da ich zwischenzeitlich nicht gearbeitet habe, ist mein gesamter Tagesablauf völlig durcheinander gewesen und ich hab einige Zeit gebraucht, meinen Zucker daran anzupassen. Auch wenn ich es immer nicht wahrhaben will: Routine und ein gut strukturierter Tagesablauf helfen dem Blutzucker einfach doch. Daher wird mir mein neuer Job bestimmt auch hier helfen. Zumal ich mir doch sehr viel davon erhoffe. Meine vorherigen Jobs waren immer sehr stressig, haben alles von mir verlangt und meine Woche war komplett auf den Job begrenzt – für mehr war nie Zeit. Ich hoffe sehr, mit diesem Neustart eine Änderung zu merken – man darf gespannt sein.

Dafür läuft meine Ernährung und mein Sport in letzter Zeit deutlich besser. Von 2 Wochen Ostern, die ich bei meiner Familie verbracht habe mal abgesehen *g* Ostern ist auch einfach Nasch-Zeit. Ansonsten fühle ich mich aber deutlich fitter und, na klar, das Frühlingswetter tut sein Bestes mich aus der Wohnung nach draussen zu locken. Sobald die Sonne scheint spüre ich regelrecht wie ich aktiver werde, weniger Schlaf brauche und mich einfach besser fühle.

So, dann lass ich jetzt mal die Hosen runter und zeige schonungslos, was mein Libre mir so offenbart. Leser, die danach panisch meinen Blog verlassen: die Fluchttüren sind hinten links.

Also mein Durchschnittswert der letzten 90 Tage liegt bei 165 mg/dl. Das entspricht einem HbA1c von etwa 7,5%. Das ist jetzt noch nicht mein angestrebtes Ziel, allerdings muss ich sagen, dass ich nach jahrelangen Werten zum Teil weit über der 7 ziemlich stolz bin, dass ich seit gut einem Jahr die 7 immer vorne habe. Und die 6 knack ich auch noch!

Weitere Zahlen erspare ich dem Leser aufgrund von Angst vor Autoritätsverlust – ihr sollt mich ja noch ernst nehmen hier 😉

Demnächst auf diesem Blog: Wann erreich Frau nichtzuckerfrei endlich Ihren Traum-HbA1c? Gibt es verlässliche Studien zum Thema „bessere Blutzuckerwerte im Frühling“? und wie nascht man ausgibig, OHNE danach Blutzucker-Achterbahn zu fahren? Man darf gespannt sein!

 

Bis Bald

Die Schulzeit – aus Sicht eines Lehrers

Hallo ihr Lieben,

das Thema Schulzeit ist/war wohl für jeden ein ganz wichtiges. Wie ich diese Zeit zusammen mit meinem Diabetes erlebt habe, habe ich euch ja hier schon erzählt. Doch durch die Krankheit verändert sich nicht nur das eigene Leben rapide. Beim Schreiben meines letzten Posts ist mir erst deutlich geworden, wie toll meine Lehrer damals reagiert haben und wie viel leichter sie es mir gemacht haben, den Diabetes als etwas von nun an normales zu akzeptieren. Dieses Mehr an Verantwortung zu übernehmen ist mit Sicherheit keine so leichte Aufgabe. Aus diesem Grund schreibe nicht ich den heutigen Post sondern ein Freund von mir, der selbst als Lehrer arbeitet und zwei Diabetes-Kids unterrichtet. Viel Spaß beim Lesen 🙂

Hi,

ich heiße Max und ich bin nach meinem zweijährigen Referendariat nun inzwischen seit 6 Jahren als Lehrer in einer Grundschule tätig. Zur Zeit leite ich eine erste Klasse und ich werde diese bis zum Ende des vierten Schuljahres als Klassenlehrer betreuen. Die Kinder in meiner Klasse sind in einem Alter von 6-7 Jahren. Wir Lehrer wurden vor den letzten Sommerferien darüber informiert, dass bei den Schulneulingen ein Kind mit Diabetes dabei ist. Uns wurde auch direkt von der Schulleitung mitgeteilt, was genau zu beachten wäre. Ich habe mich daraufhin freiwillig gemeldet, das Kind in meine Klasse aufzunehmen. Dies war für mich eine Herausforderung, wobei auch meine Kolleginnen und Kollegen ohne Einschränkungen dazu bereit gewesen wären.

Vor dem Schuljahresbeginn gibt es bei uns immer einen Kennenlern-Nachmittag in der Schule, an dem die Kindergartenkinder zusammen mit ihren Eltern teilnehmen. Nach diesem Kennenlern-Nachmittag hat mich eine Mutter angesprochen und mir erzählt, dass bei Ihrer Tochter auch gerade Diabetes diagnostiziert wurde. Daher war es Zufall, dass in meiner Klasse zwei Diabetiker gelandet sind. Für die beiden war dies aber mit Sicherheit eine große Entlastung, dass sie sich gegenseitig hatten.

Da man als Lehrer ja die Verantwortung für die Kinder übernimmt, hatte ich schon einen gewissen Respekt vor dieser, für mich neuen, Situation. Die Kinder sind einfach in einem Alter, in denen sie bei ihrem Diabetesmanagement auf Hilfe angewiesen sind und vieles noch nicht alleine machen können. Viele Fragen mussten im Vorfeld geklärt werden und Bedenken ausgeräumt werden. Hilfreich war es, dass wir Lehrer zunächst auf eine Fortbildung zum Thema Diabetes geschickt wurden. Dort wurden wir kurz über diese Krankheit informiert und es wurden Themen besprochen wie die Krankheit im Allgemeinen, die unterschiedlichen Typen aber auch die verschiedenen Methoden der Insulinzufuhr (Pen, Pumpe) und das Blutzuckermessen. Dies habe ich als sehr hilfreich empfunden um besser auf diese Situation vorbereitet zu sein.

Des Weiteren gab es Gespräche mit den Elten, in denen die genauen Abläufe abgesprochen wurden.

So wurden beispielsweise Tabellen vorbereitet, in denen genaue Maßnahmen festgehalten wurden, die bei gewissen Blutzuckerwerten durchzuführen sind (z.B. Blutzuckerwert X –> Eine Tafel Traubenzucker oder ein Päckchen Saft). Bei einem Kind wurde die Zeit abgesprochen, in der die Mutter zum Insulinspritzen in die Schule kommt, da es sich um eine Ganztagsklasse handelt. Bei dem anderen Kind musste die Bedienung der Insulinpumpe genau erklärt werden, da auch wir Lehrer die Bedienung der Pumpe übernehmen. Darüber hinaus mussten die Eltern einwilligen, dass wir die Daten und Tabellen der Kinder in wichtigen Räumen der Schule aushängen durften, damit alle Mitarbeiter/innen vorbereitet waren.

Diese Vorbereitung war für alle Seiten sicher sehr hilfreich. Ich denke, dass die Eltern weniger Sorge um Ihre Kinder hatten, da sie genau wussten, wie ernst wir diese Situation nehmen und für uns Lehrer war es wichtig, mit der nötigen Sicherheit an diese Sache heran zu gehen. Natürlich hat man sich gefragt, was passiert wenn ein Kind beispielsweise in eine Unterzuckerung gerät oder man selbst das Insulin falsch dosiert. Besonders schwierig hierbei ist, dass wir nur sehr schwer verbindliche Informationen zu der rechtlichen Situation beschaffen konnten.

Natürlich verändern sich auch die Aufgaben als Lehrer in so einem Fall. Ich erinnere die Kinder zu speziellen Zeiten ans Blutzuckermessen. Bei dem einen Kind müssen wir nach dem Frühstück und Mittagessen die Insulinabgabe berechnen und die Insulinpumpe entsprechend einstellen. Wir wiegen hier auch das Essen ab, berechnen die Menge an Kohlehydraten und geben dies dann in die Pumpe ein. Bei dem anderen Kind kommt Mittags immer die Mutter vorbei um das Kind zu spritzen. Auch beim Sport- und Schwimmunterricht sind spezielle Absprachen zu beachten.

Darüber hinaus hat jedes Kind eine kleine Box in der Klasse in dem Traubenzucker, Saft und Blutzuckermessgerät aufbewahrt werden.

Die Gesundheit der Kinder ist für uns ganz klar eine erhöhte Verantwortung. Allerdings hat sich das Ganze inzwischen sehr gut eingespielt und dadurch können wir alle entspannter mit der Situation umgehen. Die Absprachen zwischen Eltern und Schule sind sehr gut und dadurch ist der Schulalltag sehr gut zu managen. Auch die anderen Kinder reagieren sehr verständnisvoll und interessiert und ich bin mir sicher, dass die beiden trotz des Diabetes eine ganz normale Schulzeit erleben können.

Die Schulzeit – aus meiner Sicht

Hallo ihr Lieben,

die Diagnose Diabetes Typ 1 tritt ja vor allem (aber nicht nur) in der Kindheit auf. Wie ist das eigentlich dann im Schulalltag? Wie reagieren Lehrer auf die veränderte Situation und, viel wichtiger für einen selbst: die Klassenkameraden? Ich möchte auch heute erzählen, wie ich meine Schulzeit mit dem Diabetes zusammen gemeistert habe.

Ich war damals bei der Diagnose 12 Jahre alt und gerade in der Orientierungsstufe (5+6 Klasse). Im Nachhinein bin ich ganz froh, dass ich schon alt genug war, um vieles selbstständig machen zu können. Ich war damals für ungefähr 2 Wochen im Krankenhaus und habe dort Schulungen bekommen und ich wurde auf den neuen Alltag vorbereitet. In der Zwischenzeit haben meine Eltern die Schule informiert. Meine Klassenlehrerin hat mich dann sogar im Krankenhaus besucht, hat mir ein Buch mitgebracht und viele Glückwünsche von meiner Klasse. Sie hat sich sehr über die Krankheit informiert, musste aber selber bei mir auf nicht viel achten. Ich konnte das Spritzen und Messen von Anfang an alleine machen. Auch das Berechnen der Kohlehydrate habe ich mit meinen Eltern geübt und dann in der Schule auch alleine hinbekommen. Während ich noch im Krankenhaus war hat meine Lehrerin die Klasse über meine Krankheit informiert und ich wurde von den anderen völlig normal empfangen. Es gab einige Fragen, aber keine blöden Sprüche oder Ausgrenzungen. Wieviel Infos die Lehrerin der Klasse tatsächlich gegeben hat, weiß ich gar nicht.

Für mich war das Akzeptieren der Krankheit von Anfang an recht einfach und meine Klasse hat das genauso hingenommen. Ich denke, dass ich hier viel den Lehrern zu verdanken habe, auch wenn ich das damals gar nicht so aufgefallen ist. Erst viel später habe ich durch den Austausch mit anderen Diabetikern erfahren, dass dies natürlich nicht immer so glatt geht.

Mein Lehrerin war so engagiert, dass ich ganz kurz nach der Diagnose mit auf unsere erste Klassenfahrt konnte und das sogar ohne, dass meine Eltern mitgekommen sind. Das mir die Schule das ermöglicht hat und die Verantwortung übernommen hat finde ich wirklich toll. Zumal wir Ski fahren waren und Sport mit einem neu diagnostizierten Zucker ja auch nicht so ganz einfach ist. Es lief aber alles gut und ich war glaub ich auch eine Vorzeigediabetikerin 😉 Auch bei anderen Klassenfahrten oder meinem Schüleraustausch nach Frankreich lief alles gut und ich hatte niemals Probleme mit dem Diabetes.

Nur beim Sportunterricht und vor allem beim Schwimmen war mir der Diabetes ganz recht um eine allgemeine Ausrede zu haben, wenn ich nicht mitmachen wollte. Im Nachhinein schäm ich mich schon ein bisschen dafür, den Zucker als Ausrede genommen zu haben, aber damals hat es sich einfach so angeboten (Sorry, Mama *g*).

Auch was Unterzuckerungen anging war es absolut einfach. Es war für alle völlig normal, dass ich zwischendurch im Unterricht mal was gegessen hab – und da auch nicht geteilt hab! Mein Traubenzucker war keine Süßigkeit, die ich mit der Klasse geteilt hab sondern Medizin. Der lag auch bei Klausuren immer mit auf dem Tisch, genau wie mein Messgerät und beides wurde, genauso wie meine Stiftetasche, nach Spickzetteln durchsucht.

Ihr seht also, meine Schulzeit war absolut entspannt – also zumindest auf den Zucker bezogen 😉

Bis Bald