Diabetes Blog Woche: Schreibe deinem Diabetes einen Brief

Hallo ihr Lieben,

heute startet endlich die Diabetes Blog Woche. Thema heute: Schreibe deinem Diabetes einen Brief. Eine tolle Aufgabe, die mir sehr viel Spass gemacht hat. Viel Spass beim Lesen!

 

Lieber Diabetes,

vor  fast 16 Jahren standest du plötzlich vor der Tür. Hast dich direkt an mir vorbei in mein Leben gedrängt, dich aufs Sofa gesetzt und beschlossen, für immer da zu bleiben. Das war mir eigentlich gar nicht so recht. Du hast da irgendwie nicht so reingepasst. Sei mir nicht böse, aber ich fand dich am Anfang wirklich ziemlich aufdringlich.

Du wolltest kontrollieren, was ich esse, wie ich mich bewege, wie ich lebe und ich hatte mit 12 Jahren wirklich andere Dinge im Kopf als dir permanent Rechenschaft abzulegen. Trotzdem war ich am Anfang sehr neugierig. Wer ist denn das da, auf dem Sofa, der plötzlich alles kommentiert was ich so mache. Wie schaffe ich es, dass er ruhig bleibt (das hab ich bis heute nicht verstanden), wie krieg ich ihn zum Schweigen oder wenigstens dazu, was nettes zu sagen? Dem neuen Gast ist es lieber, wenn ich mein Essen abwiege? Ok, ich bin ja höflich, dann mache ich das jetzt mal. Und mal ehrlich, am Anfang sind wir beiden ja auch ziemlich gut miteinander ausgekommen. Mein Diabetologe meinte auch, dass wir uns gut zusammen gerauft hätten. Prima. Dachte ich da noch.

Aber wie das so ist in längeren Beziehungen, irgendwie haben wir uns dann doch auseinander gelebt. Was ziemlich lustig ist, wenn man bedenkt, wie nah wir uns doch stehen. Aber so oder so hat doch jeder von uns sein Ding gemacht. Der Reiz des Neuen war weg und der Alltag mit uns war leider nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich hab gemacht was ich wollte und deine Vorwürfe einfach ignoriert. Du hast mich in der Zeit auch ziemlich genervt und ich hab es so gehasst, dass du ausgerechnet an meine Tür geklopft hast. Irgendwann warst du auch genervt von meinem Egoismus und hast auf den Tisch geklopft. Immer wieder. Du hast nicht locker gelassen und immer auf deinen Standpunkt beharrt – du verdammter Dickkopf. Ja, die Zeit war nicht schön. Und ja, vieles lag an mir. Du hast es mir mit deinen vielen Forderungen aber auch nicht einfach gemacht. Immer sollte ich mich nach dir richten. Nie anders rum!

Aber irgendwann hat es dann doch klick gemacht. Als da plötzlich so viel weggebrochen ist in meinem Leben und es mir an Aufgaben fehlte und mir nach aufgeben war. Irgendwie warst du da. Und auf einmal habe ich da die Aufgabe gesehen, mich doch mehr um dich zu kümmern. Das mit uns endlich mal richtig anzugehen und hinzukriegen. Die ganzen Jahre, in denen mich das schlechte Gewissen verfolgt hat, weil ich wusste, so behandelt man niemanden – nicht einmal eine Krankheit. Und plötzlich klappt es tatsächlich. Plötzlich verstehe ich dich und deine Bedürfnisse tatsächlich besser. Auf einmal scheinst du mir zu sagen, was du eigentlich willst (oder höre ich nur endlich zu?). So wie jetzt ist es eigentlich doch ganz nett mit dir. Wenn du eh schon da bist. Und Höhen und Tiefen gehören doch zu einer Beziehung dazu, oder?

Und auch mein Diabetologe sagt wieder „na, ihr scheint euch ja wieder zusammen gerauft zu haben“. Und ja, jetzt denk ich auch wieder „Prima“.

 

 


dbw

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